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Auszeichnung für unser Pflegeheim

Seit anderthalb Jahren begleiten wir Pflegekräfte aus dem Ausland auf dem Weg zur Anerkennung als Fachkraft. Nun wurde unser "Haus am Weddigenufer" ganz offiziell dafür ausgezeichnet!

Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutieren? Das machen angesichts des Fachkräftemangels viele Einrichtungen – wir haben uns entschieden, so ein Vorhaben im kleinen Maßstab und mit intensiver Unterstützung in beruflichen und privaten Fragen anzugehen. Dass das so viel Aufwand nach sich zieht und so lange dauert, hätten weder wir als Arbeitgeber noch die ausländischen Kolleg*innen erwartet. Schließlich dürfen Krankenpfleger*innen aus dem Ausland, die eine Ausbildung abgeschlossen und auch schon viel Praxiserfahrung gesammelt haben, nicht einfach in Deutschland als Fachkraft arbeiten, sondern fangen als Pflegehilfskraft an und müssen ein langes Anerkennungsverfahren durchlaufen – ein Jahr dauert es mindestens, mitunter auch drei Jahre. Da wächst die Sehnsucht nach der Familie im Heimatland manches Mal ins Unermessliche.

Für die intensive Begleitung von Fachkräften im Anerkennungsverfahren ist das „Haus am Weddigenufer“ mit einem Qualitätssiegel von „Unternehmen Berufsanerkennung“ von DIHK und ZDH ausgezeichnet worden – bundesweit gehören wir zu den ersten Siegelträgern und freuen uns riesig über diese Auszeichnung! Wie wir das Ganze angegangen sind?

Drei Kolleg*innen sind über das Projekt Triple Win der Arbeitsagentur und der GIZ aus Bosnien-Herzegowina und Serbien zu uns gekommen, wo tausende Krankenpfleger*innen arbeitssuchend sind. Wir haben in Sarajevo und Belgrad mit Unterstützung der erfahrenen Kooperationspartner Auswahlgespräche geführt, die Bewerber*innen zu einer Hospitation ins Haus am Weddigenufer eingeladen, um die Arbeit mit suchtkranken Menschen kennenzulernen, und die neue Mitarbeiter-WG eingerichtet. Nach der Einreise standen zahlreiche Formalitäten an und vor allem mussten berufsbegleitende Kurse organisiert und finanziert werden: Erst ein intensiver Sprachkurs für Pflegekräfte, dann ein Kurs an der Pflegeschule zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung. Neben der Arbeit und dem Lernen waren Anträge bei der Ausländerbehörde und anderen Behörden zu erledigen. Später steht die Wohnungssuche im Fokus in der Hoffnung, dass der/ die Partner*in und die Kinder auch bald nach Deutschland kommen dürfen. Nicht zuletzt hat Corona auch im Anerkennungsprozess viele Pläne durcheinandergewirbelt. Die ersten großen Meilensteine sind geschafft: Das Deutschlernen fällt leichter, für eine Kollegin steht die Kenntnisprüfung vor der Tür, ein Kollege hat die Anerkennung sogar schon geschafft und darf endlich als Fachkraft tätig sein.

Ganz überraschend konnten wir das neue Wissen breiter nutzen: Eine Kollegin aus Albanien hatte das „Haus am Weddigenufer“ in der Zeitarbeit kennengelernt, wurde von uns fest übernommen und konnte, da sie schon länger in Deutschland lebte und die nötigen Sprachkenntnisse hatte, mit unserer Unterstützung direkt in den Vorbereitungskurs an der Pflegeschule einsteigen und die Anerkennung innerhalb weniger Monate erreichen. Auch darüber freuen wir uns sehr - und vielleicht finden mithilfe des Siegels noch weitere ausländische Krankenpfleger*innen, die schon in Hannover leben, den Weg in unser Pflegeheim und machen sich mit uns auf den Weg zur beruflichen Anerkennung.

Bei den Pflegekräften hört das Engagement nicht auf: Unser türkischer Koch besucht ebenfalls Deutschkurse, die wir organisieren und fördern, weil wir ihn als Mitarbeiter in der Hauswirtschaft des Pflegeheims sehr schätzen.

Den Kolleg*innen aus dem Ausland zollen wir großen Respekt, dass sie diesen anspruchsvollen Weg gehen. Und den Kolleg*innen, die die ausländischen Beschäftigten im Arbeitsalltag begleiten und unterstützen, möchten wir herzlich danken – genau wie der Glücksspirale, deren Förderung die Begleitung im Anerkennungsverfahren erst möglich gemacht hat.